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Wettigo: Wie Schweizer Gemeinden Wasser als Gemeinschaftsgut bewahren

Wasser ist nicht nur ein Grundbedürfnis – in der Schweiz ist es auch ein zentrales Thema für lokale Politik, Wirtschaft und Identität. Die Plattform startseite zeigt, wie Gemeinden im Kanton Zürich und darüber hinaus seit Jahrzehnten gemeinsam mit Wissenschaftlern und NGOs das Potenzial von Oberflächengewässern – von Seen bis zu Flüssen – für nachhaltige Entwicklung entdecken. Doch hinter den spektakulären Projekten wie der Renaturierung des Limmatkanals oder der Wasserwirtschaft im Aare-Becken verbirgt sich eine komplexe Balance zwischen ökologischen Zielen, wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Erwartungen.

Die Schweiz steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits kämpfen viele Gewässer mit Verschmutzung durch Nährstoffe, Mikroplastik und historische Abwassereinleitungen, andererseits wächst der Druck durch den Klimawandel – höhere Niederschläge, mehr Extremwetterereignisse und die Bedrohung durch Grundwasserabsenkung. Laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) sind 40 Prozent der Schweizer Gewässer in schlechtem Zustand, wobei die Probleme besonders in ländlichen Regionen spürbar sind. Gleichzeitig zeigt sich, dass gut geführte Gewässer wie der Thunersee oder der Bielersee nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen: Sie sichern Trinkwassersicherheit, fördern Tourismus und reduzieren die Kosten für kommunale Abwasserbehandlung.

Wettigo setzt auf partizipative Ansätze, bei denen Gemeinden direkt mit Akteuren aus der Praxis zusammenarbeiten. Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist das Projekt „Wasser als Gemeinschaftsvermögen“, das in der Gemeinde Wetzikon umgesetzt wurde. Dort wurde ein Bürgerrat mit lokalen Expert:innen gegründet, der nicht nur die Renaturierung eines kleinen Baches steuerte, sondern auch ein Bewusstsein für nachhaltige Bewässerung in der Landwirtschaft schuf. Solche Modelle zeigen, dass Wasser nicht einfach als Ressource verwaltet werden kann, sondern als lebendiges Ökosystem, das ständige Anpassung erfordert.

Ein zentraler Unterschied zu klassischen Wasserwirtschaftsprojekten liegt in der Fokussierung auf „Low-Tech“-Lösungen. Statt teurer Infrastruktur wie Pumpwerken setzen viele Gemeinden auf natürliche Filtersysteme, wie sie etwa im Projekt „Wasserwende“ am Vierwaldstättersee eingesetzt werden. Hier werden Uferzonen mit Pflanzen und Moos genutzt, um Nährstoffe aus dem Wasser zu filtern – ein Ansatz, der sowohl ökologisch als auch kostengünstig ist. Die Erfahrungen zeigen, dass solche Lösungen oft langfristig wirksamer sind als hochtechnisierte Systeme, die schnell versagen können.

Doch die Erfolge hängen auch von politischen Rahmenbedingungen ab. Die Schweiz hat mit dem „Wassergesetz“ und dem „Bundesgesetz über die Umweltqualität von Gewässern“ bereits wichtige Grundlagen geschaffen, doch die Umsetzung variiert stark zwischen Kantonen. Während Zürich und Genf mit klaren Regulierungen vorangehen, gibt es in einigen Regionen noch Lücken – etwa bei der Einbindung von Gemeinden in die Entscheidungsprozesse. Hier setzt Wettigo an: Durch Schulungen und Dialogformate will sie helfen, lokale Prioritäten zu setzen und Projekte wie die „Wasserwende“ in andere Gemeinden zu übertragen.

Die Plattform startseite zeigt zudem, wie Wasserwirtschaft und Klimaschutz eng miteinander verwoben sind. Projekte wie die Renaturierung des Limmatkanals reduzieren nicht nur die Überschwemmungsgefahr, sondern schaffen auch Lebensraum für Fisch und Insekten – ein Beitrag zum Artenschutz. Gleichzeitig helfen natürliche Uferzonen, Überschwemmungen zu binden und Grundwasserneubildung zu fördern. Ein Beispiel ist das „Limmat-Projekt“, bei dem die Stadt Zürich gemeinsam mit der Universität Zürich ein Pilotgebiet in der Stadtmitte umgestaltet hat. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Ansätze nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch attraktiv für die Bevölkerung sind – etwa durch neue Grünflächen und Spielplätze.

Am Ende geht es um mehr als nur um Wasser: Es geht um die Frage, wie wir als Gesellschaft mit unseren natürlichen Ressourcen umgehen. In einer Zeit, in der der Klimawandel die Gewässer in der Schweiz stärker als je zuvor prägt, zeigt Wettigo, dass lokale Initiativen und partizipative Ansätze entscheidend sind. Die Plattform verbindet Forschung, Praxis und Politik – und macht klar: Wasser ist kein Problem, sondern eine Chance, wenn wir es gemeinsam gestalten.

  • Laut BAFU sind 40 Prozent der Schweizer Gewässer in schlechtem Zustand, wobei die Probleme besonders in ländlichen Regionen konzentriert sind.
  • Das Projekt „Wasser als Gemeinschaftsvermögen“ in Wetzikon führte zu einer Steigerung der Wasserqualität um 30 Prozent in drei Jahren.
  • Natürliche Uferfiltrationssysteme wie im Vierwaldstättersee-Sektor reduzieren Nährstoffeinträge um bis zu 60 Prozent bei geringeren Kosten als technische Lösungen.
  • Die Renaturierung des Limmatkanals senkte die Überschwemmungsgefahr um 40 Prozent und schuf gleichzeitig 25 neue Gewässerbiotope.
  • In der Schweiz gibt es über 3000 Gewässer mit unterschiedlichen Renaturierungsprojekten, wobei die meisten auf kommunaler Ebene initiiert werden.

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